Unterseiten

Zum Training der Fertigkeiten und zur Dokumentation hat der Klett-Verlag ein Portfolio für verschiedene Niveaustufen erstellt, das Sie für Ihren Unterricht einsetzen können.

Im Fremd-/Zweitsprachunterricht spricht man von vier Fertigkeiten, die jede Schülerin und jeder Schüler in der neu zu erlernenden Sprache erwerben sollte:

  1. Hören
  2. Sprechen
  3. Lesen
  4. Schreiben

Bei der Wortschatzeinführung sollte immer darauf geachtet werden, dass neue Wörter zuerst gehört, dann nachgesprochen, danach gelesen und schließlich aufgeschrieben werden.

In Anlehnung an Huneke und Steinig (1997, S. 91) kann man die vier Fertigkeiten folgendermaßen veranschaulichen:

  Rezeptive Sprachverarbeitung Produktive Sprachverarbeitung
mündlich, akustisch gleichzeitig direkt hören sprechen
schriftlich, graphisch zeitlich versetzt indirekt lesen schreiben

 

 

 

 

 

 

Gemäß der Graphik zählen das Hören und Lesen zu den rezeptiven Fertigkeiten. Hier geht es in erster Linie um Verstehensprozesse, also um die Aufnahme sowie Verarbeitung von akustischen oder optischen Signalen. Sprechen und Schreiben gehören im Gegensatz dazu zu den produktiven Fertigkeiten, da hier Sprachmaterial aktiv erzeugt wird. Schriftliche oder mündliche Äußerungen müssen, damit sie von einem Leser oder Hörer verstanden werden können, inhaltlich vollständig sowie grammatikalisch und lexikalisch möglichst korrekt sein. Demnach ist in der Produktion wesentlich mehr Spracharbeit zu leisten als in der Rezeption. Hören und Sprechen sind Bestandteil der mündlichen Kommunikation, die zeitgleich und direkt stattfindet, was eine schnelle sprachliche Verarbeitung erfordert. Lesen und Schreiben hingegen werden graphisch und damit zeitlich versetzt sowie indirekt vermittelt. Dem Schüler stehen dabei mehr Zeit zur Enkodierung der Informationen zur Verfügung, da er auch immer wieder an eine Textstelle zurückkehren kann. Schriftsprachliche Fertigkeiten sind stark an kulturelle Gegebenheiten gebunden (Variationen in Schriftsystem, Leserichtung, Schreibstil, Textmuster in verschiedenen Ländern). Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Schreibfähigkeit nur zusammen mit der Lesefähigkeit erworben werden kann. Lesen begleitet und kontrolliert ständig den Schreibprozess und kann dessen Qualität stark beeinflussen (vgl. Fairstauer, 2001, S.868f).

Im Zentrum eines guten DaZ-Unterrichts steht die Handlungsorientierung: Die Schüler sollen die sprachliche Handlungskompetenz sowohl für die Schule als auch für die außerschulische Lebenswelt entwickeln. Methodisch wird dies durch aufgabenorientierten Unterricht erreicht, bei dem die Schüler im Rahmen bedeutsamer, aufschlussreiche, aber vor allem authentischer Situationen/Aufgaben mündlich oder schriftlich kommunizieren sollen. Dies setzt eine Öffnung des Unterrichts für lebensnahe Kommunikations- und Lernprozesse voraus. Besonders im Anfangsunterricht sollten den Schülern sprachliche Mittel an die Hand und ihnen so oft wie möglich die Gelegenheit gegeben werden, Sprachhandlungen auszuprobieren. So können sie in ihrer neuen Umgebung ihren Alltag zunehmend selbstständiger und sicherer bewältigen. Durch den Bezug zu ihrer Lebenswelt werden auch die Motivation und das Interesse, neue Wörter zu erlernen, erhöht. Die Aufgaben sollten sich an den Interessen und Bedürfnissen unter Berücksichtigung der verschiedenen Lerntypen und Lernstrategien der Schüler orientieren. Dabei sind stets Wortschatz und Grammatikarbeit an mindestens eine der vier Fertigkeiten zu knüpfen. Mit Hilfe einer handlungs- bzw. kompetenzorientierten Aufgabe kann neuer Wortschatz erarbeitet oder eine neue grammatische Struktur entdeckt und dann eingeübt werden. Die Vorentlastung der Aufgaben ist allerdings entscheidend: die Einführung in die Situation, das Anknüpfen an das vorhandene Wissen der Lernenden und das Bilden von Hypothesen. Hierbei ist Voraussetzung für die Kommunikation, dass die Schülerin oder der Schüler ein „Sprachbad“ (Immersion) erlebt und Wortschatz an die Hand bekommt; denn der Wortschatz liefert das sprachliche Material für die Zielfertigkeiten Sprechen, Hören, Lesen und Schreiben. Dabei ist die Lehrkraft das sprachliche Vorbild. Von ihr lernt der Schüler auch, in welchem Zusammenhang welche Begriffe verwendet werden. Neben der Vermittlung von kognitiven Strategien (Gedächtnis-, Sprachgebrauchs- und Sprachverarbeitungsstrategien) sowie metakognitiven Strategien (Lernmanagement wie Lernumgebung, Ausschaltung von Störfaktoren…) ist folglich das Training der einzelnen Fertigkeiten von besonderer Bedeutung.

Abschließend sei knapp auf zwei Quellen eingegangen, die der Lehrkraft bei der Einschätzung des Niveaus der Fertigkeiten einzelner Schülerinnen und Schüler unterstützen können. Zum einen hat Grießhaber mit Hilfe einer Profilstufenanalyse vier Progressionsstufen für Deutsch als Zweitsprache entwickelt, die helfen können, die jeweilige Person im Bereich Sprechen und Schreiben einzuschätzen und sie mit passenden Aufgaben dabei zu unterstützen, die nächste Erwerbsstufe zu erreichen. Allerdings hängt dies auch von anderen inneren wie äußeren Faktoren ab – wie Lernumgebung, Antrieb, Zugang und Lernerbiographie, auf die an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden kann.  Zum anderen kann die Lehrkraft mit Hilfe der Sprachniveaustufen des Europäischen Referenzrahmens  feststellen, auf welcher sprachlichen Stufe (A1-C2) sich eine Schülerin oder ein Schüler befindet. Dies kann beispielsweise eine Erleichterung bei einer Entscheidung sein, wann eine Schülerin oder ein Schüler in eine Regelklasse überführt oder an eine andere Schulart verwiesen werden kann. Das Niveau A2 sollte meiner Meinung nach eine Schülerin oder ein Schüler haben, wenn er in eine Regelklasse der Mittelschule kommt.