Unterseiten

Beim Erwerb der Zweitsprache nähert sich der Lerner graduell der Zielsprache und und wird dabei von den Prinzipien des ungelenkten Spracherwerbs, seinen Vorerfahrungen mit anderen Sprachen, seinen Persönlichkeitsmerkmalen und den spezifischen Problemen der deutschen Sprache geleitet. Der gesamte Spracherwerb lässt sich als eine Reihe von Übergängen von einer Lernersprache zur nächsten auffassen (vgl. Interlanguage-Hypothese, Selinker, 1972). Jede Lernersprache ist als eigenes Ausdruckssystem zu betrachten, und nicht nur als fehlerhafte Variante der Zielsprache. Die Lernersprache weist Züge aus der Mutter- und der Zweitsprache auf, aber auch davon unabhängige Merkmale. Der Lernende übernimmt Regeln und Gewohnheiten aus der Muttersprache, erprobt Muster, die geübt wurden, sucht selbst nach Regeln, die er dann überprüft oder generalisiert über. Außerdem kompensiert er seine unzulänglichen Sprachkenntnisse in der Kommunikationssituation durch bestimmte Strategien wie Themenvermeidung, Codewechsel, Entlehnung, Gestik und Mimik. An all diesen Besonderheiten der Lernersprache lässt sich erkennen, dass Fehler ein wichtiger und notwendiger Teil des Sprachlernprozesses sind, mit denen achtsam umgegangen werden sollte. 

Als Fehler bezeichnen wir die unbewusste Abweichung von der Norm oder laut Kleppin (1997) das, was die Kommunikationspartnerin oder der Kommunikationspartner bzw. die Muttersprachlerin oder der Muttersprachler nicht versteht. Als fehlerhaft gilt, was die Muttersprachlerin oder der Muttersprachler in bestimmten Situationen nicht sagen würde.

Fehlerarten

Es gibt verschiedene Fehlerarten: lexikalische (z.B. Prinzhaus statt Königshaus), morphosyntaktische (mir statt mich), syntaktische (den Satzbau betreffend), phonologische (Aussprache), pragmatische (z.B. jetzt gehen statt Ich gehe jetzt) oder inhaltliche Fehler. Der Fehler kann ein einzelnes Wort und seine Form, ein Wort mit seiner Bindung zu Begleitern oder die Struktur eines Satzes betreffen.